Wer war Franz Anton Maulbertsch?

Franz Anton Maulbertsch (7. Juni 1724 Langenargen am Bodensee,  † 8 Aug. 1796 Wien)
Kunstsinnige treffen auf ihn bei Kunstreisen von Wien, über das Burgenland bis Ungarn und Mähren.
Als Sohn des Malers Anton Maulbertsch lernte er schon bei seinem Vater die Grundbegriffe der Malerei, bis er 1739 nach Wien kam.  Er erhielt dort seine Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste. Er dürfte bei L. van Roy und Jakob van Schuppen gelernt haben. Für den charakteristischen Freskenstil war ihm aber Paul Troger ein Vorbild. Maulbertsch gilt als bedeutendster Maler Österreichs im ausgehenden Barock.
Das reiche Œuvre in Kirchen und Schlössern umfasst neben Riesenfresken/Gewölbefresken auch Staffelei- und Altarbilder, Zeichnungen und Radierungen. Sein letzter großer höfische Auftrag 1772 war das Deckenfresko im Riesensaal der Hofburg in Innsbruck, das die Vereinigung der Häuser Habsburg und Lothringen darstellt.Dabei dürfte er auch den Auftrag für das Altarbild am Hochaltar der Kirche in Götzens übernommen haben. Das großformatige Altarblatt zeigt eine himmlische Szene mit dem auferstandenen Christus, den fürbittenden Aposteln Petrus und Paulus und der Allegorie der lehrenden, streitenden und triumphierenden Mutter Kirche darunter. Der virtuose Umgang mit Farb- und Lichteffekten antizipiert in vieler Hinsicht schon den Impressionismus. Jetzt in der Fastenzeit sind im unteren Bereich Fastenbilder vorgestellt, sodass nur die obere Hälfte mit der Auferstehungsszene sichtbar ist.
 

(Begriffsbestimmung: Fresko- oder Frischmalerei ist eine Technik der Wandmalerei, bei der die zuvor in Wasser eingesumpften Pigmente auf den frischen Kalkputz aufgetragen werden. Bei der Carbonatisierung des Kalkes werden die Pigmente stabil in den Putz eingebunden.)

„Es gibt Maler, die die Sonne in einen gelben Fleck verwandeln. Es gibt aber andere, die dank ihrer Kunst und Intelligenz einen gelben Fleck in die Sonne verwandeln können.“   Pablo Picasso

So wollen wir unser aller Auge schärfen für Kunst, die uns umgibt.


Wer war Franz Singer?

Franz Singer (* 3. Jänner 1724 in Götzens; † 6. April 1789 Götzens) war ein österreichischer Baumeister und Stukkateur. Er war dreimal verheiratet und hatte insgesamt 19 Kinder. Seine Lehrmeister waren Franz de Paula Penz (Wiltener Basilika) und Johann Michael Umhauser.
Mit der Kirche in Götzens schuf er eine der bedeutendsten Rokokokirchen Tirols. Weiters baute er zahlreiche Kirchen und Kapellen in Tirol (in Unterperfuss, Brixen, Toblach, St. Vigil in Enneberg, u.a.).
Franz Singer trat aber auch als begabter Stukkateur hervor. Ein wahres Meisterwerk ist die Kanzel in Götzens. Sie ist über einem Holzkern stukkiert. Besonders kunstvoll ist ein nach oben aufragender Schalldeckel mit Gesetzestafeln, Flammenschwert, Taube, die feurige Strahlen des Heiligen Geistes versprüht. Der Kanzelkorb ist rein ornamental gestaltet mit brokatgemusterten Feldern und Vergoldungen. Franz Singer hat die Gestaltung dieser Kanzel in weiteren Bauten mehrfach verwendet, doch erweist sich sein Götzner Werk als am gelungensten.

   (Begriffsbestimmung: In Renaissance, Barock und Klassizismus treten Stukkateure als wichtige Gestalter von vorwiegend kirchlichen, aber auch weltlichen Innenräumen auf. Sie gelten ebenso als Künstler wie die Maler und Bildhauer, mit denen sie zusammenarbeiten oftmals waren die Stukkateure selbst zugleich Baumeister und Architekten, Maler oder Bildhauer. Wikipedia)

Und wie sagt Marie von Ebner-Eschenbach:“ Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der Ausführung die Kunst.“


Wer war Johann Schnegg?

Johann Schnegg (*1724 Imsterberg – † 1784 Arzl b. Imst) war Bildhauer und Elfenbeinschnitzer; er übernahm die Werkstatt seines Schwiegervaters, des Bildhauers J.G. Ziegler in Bayreuth. Alsdann wurde er Hofbildhauer und Direktor der Kunstakademie in Bayreuth. Nach künstlerischer Tätigkeit in Potsdam (Schloss Sanssouci) und Berlin in Diensten Friedrichs II zog er sich aus Heimweh wieder in seine Tiroler Heimat zurück. (Angeblich ist er aus Berlin nach dem Tod seiner Frau geflohen und kam nach einer abenteuerlichen Flucht nach Tirol zurück.) Für den Brixener Erzbischof fertigte er eine Elfenbeinplastik des Hl. Michael an, welche sich heute in der Schatzkammer der Hofburg in Wien befindet. Daneben schuf er viele Skulpturen für Tiroler Kirchen. Neben Andreas Damasch gilt Johann Schnegg als der bedeutendste Barockbildhauer des Tiroler Oberinntales.

Aus seinen Tiroler Arbeiten ragt die figurenreiche Ausstattung in der Götzner Kirche ganz entscheidend als Hauptwerk hervor. Kennzeichnend ist neben der glatten Weißfassung der Holzskulpturen, die kostbare Materialen wie Marmor oder Elfenbein imitiert, die Tendenz zur klassizistischen Monumentalität.

Die Skulpturen des Hochaltares bilden zu Seiten des Mittelbildes symmetrische Paare: innen die beiden Bischöfe und Brixner Bistumspatrone Ingenuin und Albuin, davor die Wetterheiligen Johannes und Paulus; an den Seiten vergoldete Rokokovasen mit Engeln. Auch die Nebenaltäre sind mit Skulpturen von Johann Schnegg ausgestattet. Qualitätsvoll und in seinem Realismus ergreifend ist das überlebensgroße Kruzifix.

(Begriffsbestimmung: Die Bildhauerei im Barock, oftmals eingebunden in architektonische Konzepte, ist gekennzeichnet durch eine reiche, dramatische Gestik und durch das Herausarbeiten starker Lichteffekte. Auffallend ist die Gestaltung der Gewänder, die Draperie von intensiver Bewegtheit und die bis zur Ekstase reichende Ausdruckskraft der mimischen Modellierung.)

„Skulptur ist die Kunst der Buckel und Höhlungen, die Kunst, die Formen im Spiel von Licht und Schatten darzustellen.“  Auguste Rodin


Wer war Matthäus Günther?

Wir entdecken seine Signation mit Datierung 1775 im nördlichen Kuppelfresko der Kirche in Götzens.

Matthäus Günther (*7. Sept. 1705 in Tritschenkreut, † 30. Sept. 1788 in Haid bei Wessobrunn) war einer der berühmten Protagonisten der Rokoko-Freskenmalerei im süddeutschen Raum. Er war Schüler von Cosmas Damian Asam. Über 50 Jahre wirkte Günther vor allem als Kirchenmaler in Bayern und Tirol. Der Umfang seiner Freskentätigkeit war derart groß, dass er als der produktivste Maler seiner Zeit gilt; die meisten seiner Werke sind heute noch erhalten.
1775 teilte er die im Grundriss 136 Quadratmeter messende Eingangskuppel von Götzens in 13 Tagwerke ein. Weil er zudem den Entwurf mit einem Radialgitter versah, das er auf die sphärisch gekrümmte Kuppel übertrug, umging er das zeitaufwendige Gravieren mittels eines Kartons. Diese Arbeitsweise Günthers, die er während eines halben Jahrhundert durchzog, erklärt den Umfang seines Lebenswerkes. Mit 70 Jahren malte er die Fresken in Götzens, sie zählen zu seinem Alterswerk.
In den Bildern sehen wir die drei Kuppelfresken der Götzner Kirche:
< Wettstreit des Magiers Simon mit den Aposteln Petrus und Paulus (Fresko des nördlichen Joches)
< Abschied der Apostel und deren spätere Martyrien (mittleres Gewölbefeld)
< Heiligenhimmel (Fresko im Chorraum)

 

Wer noch weitere Spuren von Matthäus Günther in Tirol sucht, der wird fündig in der Wiltener Basilika, in den Kirchen Rattenberg, Fiecht, Neustift und Grins (Scheinkuppel).

(Interessantes am Rande: Freskanten erhalten im 18. Jahrhundert die höchsten Entschädigungen für ihre Mitarbeit an einem Bauwerk. In den 1750er-Jahren ist Matthäus Günther auf dem Höhepunkt seiner Berühmtheit. Bedenkt man seine schnelle Arbeitsweise und die einfache Werkstattorganisation ohne Gehilfen, ist er mit seinen Arbeiten zu großem Vermögen gekommen.)

„Die Kunst ist eine Metapher für das Unsterbliche.“  Prof. Ernst Fuchs, österr. Maler, Architekt, Grafiker, 1930-2015